
Fachkräftemangel Elektriker: Lage, Trends und Handlungsoptionen für Arbeitgeber
Der Fachkräftemangel bei Elektrikern bleibt für viele Handwerksbetriebe ein zentrales Thema – auch wenn sich das Bild zuletzt differenzierter darstellt als noch vor einigen Jahren. Wer als Arbeitgeber im E-Handwerk offene Stellen besetzen will, braucht ein klares Verständnis der aktuellen Marktlage: Wo sinkt der Bedarf, wo bleibt er stabil? Welche Qualifikationsstufen sind besonders gefragt? Und welche Wege zur Personalgewinnung gewinnen an Bedeutung? Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten belegten Fakten und gibt Ihnen praxisorientierte Denkanstöße für Ihre Personalstrategie.
- Aktuelle Lage im E-Handwerk
- Qualifikation entscheidet: Gesellen, Meister und Helfer im Vergleich
- Ausbildung: Hoffnungsträger mit Passungsproblemen
- Quereinsteiger als Personalreserve
- Personalstrategie für Elektrobetriebe: Vorschläge für Arbeitgeber
- Häufige Fragen
- Fazit
Aktuelle Lage im E-Handwerk: Entspannung oder Trugschluss?
Laut der Herbstkonjunkturumfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sank der Anteil der E-Handwerksbetriebe mit offenen Stellen von 66 Prozent im Oktober 2023 auf 46,9 Prozent im Oktober 2025. Das klingt nach merklicher Entspannung – doch der Blick auf die Qualifikationsstruktur zeigt, dass sich die Situation für qualifizierte Fachkräfte weitaus weniger stark verändert hat als die Gesamtzahl vermuten lässt.
Als Arbeitgeber sollten Sie diese Gesamtentwicklung deshalb nicht als Signal missverstehen, die Personalgewinnung zurückzustellen. Die Zahlen nach Qualifikationsstufen zeichnen ein deutlich nuancierteres Bild.
Qualifikation entscheidet: Gesellen, Meister und Helfer im Vergleich
Der ZVEH hat die offenen Stellen im E-Handwerk nach Qualifikationsstufen aufgeschlüsselt – und die Zahlen zeigen ein klares Bild: Der Rückgang des Fachkräftebedarfs trifft vor allem an- und ungelernte Kräfte. Laut ZVEH-Hochrechnung sank die Zahl der offenen Stellen für Helfer von 7.996 (2023) auf 3.673 im Jahr 2026 – weniger als halb so viele. Die Quelle weist dabei ausdrücklich darauf hin, dass diese Hochrechnung auf Selbstauskünften der Betriebe beruht und nicht mit den bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen identisch ist.
Bei den qualifizierten Fachkräften fiel der Rückgang laut derselben ZVEH-Hochrechnung deutlich moderater aus: Die offenen Gesellenstellen gingen von 25.568 (2025) auf 21.655 (2026) zurück. Bei hochqualifizierten Gesellen sanken die Stellen von 23.048 auf 17.627, bei Meistern von 5.641 auf 5.140. Absolut gesehen bleiben die Zahlen auf hohem Niveau – der Bedarf an gut ausgebildeten Elektriker-Fachkräften ist keineswegs verschwunden.
Als Arbeitgeber sollten Sie diese Differenzierung in Ihrer Personalplanung berücksichtigen. Wer ausschließlich auf Hilfskräfte gesetzt hat, findet heute ein entspannteres Umfeld vor. Wer hingegen Gesellen oder Meister sucht, konkurriert nach wie vor mit vielen anderen Betrieben um dieselben Kandidaten.
Der ZVEH-Hauptgeschäftsführer beschreibt als persönliche Beobachtung, dass Betriebe verstärkt auf breit qualifizierte, flexibel einsetzbare Fachkräfte setzen, um sich schneller an Nachfrageschwankungen anpassen zu können. Diese Einschätzung legt nahe, dass Flexibilität und breite Qualifikation bei der Kandidatenauswahl zunehmend als Kriterium gewichtet werden könnten.
Ausbildung: Hoffnungsträger mit Passungsproblemen
Eine positive Entwicklung für die Branche beschreibt das Institut der deutschen Wirtschaft (iwd): Die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze in der Bauelektrik steigen seit Jahren, ebenso wie das Angebot an Ausbildungsplätzen. Doch die Ausbildungskapazität wächst zu langsam, um mit dem durch die Energiewende bedingten Mehrbedarf Schritt zu halten. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Potenzielle Auszubildende leben oft nicht dort, wo die Betriebe angesiedelt sind – regionale Passungsprobleme bremsen die Ausbildungsoffensive.
Das stellt Betriebe vor eine doppelte Herausforderung. Einerseits lohnt es sich, in Ausbildung zu investieren, weil die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen real vorhanden ist. Andererseits reicht es nicht aus, einfach abzuwarten, bis die Ausgebildeten dem Betrieb langfristig zur Verfügung stehen – die Zeit bis zur vollen Einsatzfähigkeit ist lang, und der aktuelle Engpass besteht heute.
Wenn Sie Ausbildungsplätze anbieten, könnten folgende Überlegungen als Vorschläge hilfreich sein:
- Ist Ihr Ausbildungsangebot auf Plattformen sichtbar, die von Schulabgängerinnen und Schulabgängern genutzt werden?
- Haben Sie über Mobilitätshilfen oder Wohnmöglichkeiten nachgedacht, um regionale Passungsprobleme zu überbrücken?
- Welche Stärken Ihres Betriebs – etwa moderne Technik, flexible Arbeitszeiten oder Teamgröße – könnten für Bewerberinnen und Bewerber ein Argument sein?
- Kommunizieren Sie aktiv, welche Entwicklungsperspektiven nach der Ausbildung in Ihrem Betrieb bestehen?
Quereinsteiger als wachsende Personalreserve im E-Bereich
Eine Strategie, die in Metall- und Elektroberufen zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die gezielte Rekrutierung von Quereinsteigern. Laut einer KOFA-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (im Auftrag des BMWK) stieg die Zahl der Wechsel aus anderen Berufsfeldern in M+E-Fachkraftstellen von rund 120.000 im Jahr 2015 auf 146.000 im Jahr 2021 – ein Anstieg von 22,8 Prozent. In absoluten Zahlen fehlen vor allem Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung; Quereinsteiger mit Ausbildungshintergrund aus verwandten Bereichen werden laut dieser Studie bereits verstärkt eingestellt, um diese Bedarfe zu decken.
Für Elektrobetriebe bedeutet das: Der Blick über die eigene Berufsgrenze kann sich als Vorschlag zur Personalstrategie lohnen. Personen mit handwerklichem Ausbildungshintergrund aus angrenzenden Bereichen bringen möglicherweise relevante Grundkenntnisse mit und können durch gezielte Einarbeitung eingesetzt werden.
Einige Fragen, die Sie sich dabei stellen könnten:
- Welche Aufgaben in Ihrem Betrieb könnten von qualifizierten Quereinsteigern mit handwerklichem Hintergrund übernommen werden?
- Haben Sie Kapazitäten für strukturierte Einarbeitungsprogramme?
- Welche Qualifikationen sind bei Ihnen intern lernbar, welche müssen extern erworben werden?
- Machen Sie in Ihrer Stellenanzeige erkennbar, dass Sie offen für Quereinsteiger mit Potenzial sind?
Personalstrategie für Elektrobetriebe: Vorschläge für Arbeitgeber
Die belegten Zahlen und Trends legen nahe, dass eine differenzierte Herangehensweise für Elektrobetriebe heute wichtiger ist denn je. Wer die Qualifikationsstruktur des Marktes kennt und seine Stellenanzeige darauf ausrichtet, stellt sich als Arbeitgeber klarer auf. Die folgenden Punkte sind ausdrücklich als Vorschläge zu verstehen:
- Qualifikationsstufe klar benennen: Suchen Sie einen Gesellen, einen Meister oder jemanden mit spezifischer Zusatzqualifikation? Eine präzise Ausschreibung hilft, die Erwartungen auf beiden Seiten zu klären.
- Reichweite prüfen: Wo suchen Elektrikerinnen und Elektriker in Ihrer Region? Branchenspezifische Plattformen können eine sinnvolle Ergänzung zu allgemeinen Jobbörsen sein.
- Einarbeitung kommunizieren: Falls Sie offen für Quereinsteiger mit Potenzial sind, sollte das in der Anzeige erkennbar sein.
- Flexibilität als Merkmal herausarbeiten: Angesichts der Beobachtung, dass Betriebe verstärkt auf breit einsetzbare Fachkräfte setzen, könnte es sich lohnen, die Einsatzvielfalt Ihres Betriebs aktiv darzustellen.
Ein Formulierungsvorschlag für Ihre Stellenanzeige, der diese Aspekte aufgreift:
„Bei uns arbeiten Sie in unterschiedlichen Bereichen der Elektroinstallation – von der Gebäudetechnik bis zur Industrieanlage. Wir schätzen Handwerkerinnen und Handwerker, die gern Neues lernen, und fördern gezielt die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."
Passen Sie diesen Vorschlag an das ab, was Ihr Betrieb tatsächlich bietet. Auf Meistertreff finden Sie Stellenangebote im E-Handwerk – die Plattform richtet sich gezielt an Handwerk und Bau. Aktuell sind dort 15.126 Stellen aus Handwerk und Bau gelistet, darunter 118 Angebote mit Elektrikerbezug, und 5.602 Arbeitgeber nutzen das Portal – darunter Unternehmen wie VINCI Energies Europe East GmbH, SPIE Germany Switzerland Austria GmbH oder LEONHARD WEISS GmbH & Co. KG.
Häufige Fragen zum Fachkräftemangel bei Elektrikern
Hat sich der Fachkräftemangel bei Elektrikern entspannt?
Der Anteil der E-Handwerksbetriebe mit offenen Stellen sank laut ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage von 66 Prozent (Oktober 2023) auf 46,9 Prozent (Oktober 2025). Der Rückgang betrifft jedoch vor allem Hilfskräfte – der Bedarf an qualifizierten Gesellen und Meistern blieb laut ZVEH-Hochrechnung auf vergleichsweise hohem Niveau.
Welche Qualifikationsstufen sind am stärksten betroffen?
Laut ZVEH-Hochrechnung (Datenstand Anfang 2026) lagen die offenen Gesellenstellen bei 21.655 und die Meisterstellen bei 5.140. Der Rückgang fiel bei diesen Gruppen geringer aus als bei an- und ungelernten Helfern, deren offene Stellen von 7.996 (2023) auf 3.673 (2026) sanken – weniger als halb so viele. Die Hochrechnung beruht auf Selbstauskünften der Betriebe und ist nicht mit Arbeitsagentur-Meldungen identisch.
Lohnt sich die Ausbildung eigener Elektriker für meinen Betrieb?
Die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze in der Bauelektrik steigen seit Jahren, und es gibt mehr Ausbildungsangebote. Allerdings wächst die Kapazität laut iwd zu langsam für den Energiewende-Mehrbedarf, und regionale Passungsprobleme erschweren die Besetzung. Ausbildung ist ein mittel- bis langfristiger Weg – für den aktuellen Engpass empfiehlt es sich, parallel andere Strategien zu verfolgen.
Können Quereinsteiger den Elektrikermangel mildern?
Laut KOFA-Studie des IW Köln (Datenstand 2015 und 2021) stiegen Quereinstiege in M+E-Fachkraftstellen von rund 120.000 (2015) auf 146.000 (2021) – ein Anstieg von 22,8 Prozent. Quereinsteiger mit handwerklichem Hintergrund sind damit laut dieser Studie eine relevante Personalreserve, die bereits von Betrieben genutzt wird.
Wie finde ich als Elektrobetrieb geeignete Fachkräfte?
Branchenspezifische Plattformen wie Meistertreff richten sich gezielt an Handwerk und Bau. Unterstützung bei der Personalsuche können Sie hier anfragen. Als Vorschlag empfiehlt es sich, Ausbildungsangebote, Quereinsteiger-Offenheit und Einsatzvielfalt klar in der Stellenanzeige zu kommunizieren.
Fazit: Differenziert handeln statt pauschal entspannen
Der Fachkräftemangel bei Elektrikern hat sich auf den ersten Blick abgeschwächt – doch wer genauer hinschaut, erkennt: Für qualifizierte Gesellen und Meister ist die Lage weiterhin angespannt. Die ZVEH-Hochrechnung belegt, dass in diesen Gruppen nach wie vor Zehntausende Stellen offen sind. Gleichzeitig bieten Quereinsteiger eine wachsende, oft unterschätzte Personalreserve – und die zunehmenden Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze in der Bauelektrik sind ein positives Signal, sofern die regionale Passung gelingt.
Nutzen Sie diese Erkenntnisse für eine differenzierte Personalstrategie. Personal gewinnen und offene Stellen besetzen: Unterstützung bei der Personalsuche anfragen.

